Investieren in soziale Medien?

Investieren in soziale Medien?

Von Corona unbeeindruckt und zu Teilen stärker als vor der Krise, glänzen die Aktien der großen sozial Plattformen wie Facebook und Co. Das Geschäftsmodell ist unabhängig von Ladenschließungen oder Ausgangsbeschränkungen. Durch die Corona Krise hat sich der Austausch in und die Benutzung von digitalen Welten dagegen noch intensiviert.
Im Jahr 2019 hat Facebook 71 Milliarden Dollar Umsatz generiert.
Facebooks Marktkapitalisierung liegt bei satten 520,10 Mrd. US Dollar.*
Zum Vergleich: Volkswagen hat im vergangenen Jahr 283 Milliarden Dollar erwirtschaftet – mit einer Marktkapitalisierung von 27,40 Mrd. US Dollar.**
Aller Diesel-Gate Skandale und Umbrüchen in der Automobilbranche zum Trotz – Volkswagen ist hier im Verhältnis sehr schwach bewertet.

Woran liegt‘s?
1) Software Unternehmen wachsen sehr schnell
An der Börse wird immer die Zukunft bewertet. Wo der Automarkt stagniert – sogar eher durch Trends wie Ridesharing und Ökobewegungen sinkt – explodiert die Nachfrage bei Software und Technologie.

2) Software Unternehmen sind flexibler
Plattformen wie Facebook sind erst mal ein Kraftakt aus dem Boden zu stampfen.
Doch besteht hier der Kern aus einer guten Idee, ein paar Entwicklern fürs Coding und dem passenden Marketing zur schnellen Verbreitung.

Ganz plump gesagt – das war‘s.
Wer einmal die Dimensionen eines VW Konzerns in Bildern gesehen hat, mit riesigen Produktionshallen, einer weltweiten, vielschichtigen Lieferkette und der hochkomplexen Entwicklung von Motor zum Auto, der weiß um den Unterschied.

3) Software Unternehmen generieren „sehr einfach“ Gewinn
Logische Folgerung aus dem 2. Punkt. Bei VW steht ein gigantisches Schaffen hinter dem Produkt. Bei Facebook und Co werden Server für den Traffic und Entwickler benötigt, die das Coding weiterentwickeln – auch hier, ganz vereinfacht dargestellt. 😉

4) Software Unternehmen haben starke Monopole
Das ist für mich der mit Abstand wichtigste Punkt.
Das (Volkswagen) Auto muss sich immerzu und fortlaufend den Autos der Konkurrenz in Sachen Preis, Technologie, Verbrauch, usw. stellen.
Das ist bei Facebook nicht so.

Warum?
Weil bei Facebook all meine Freunde, Kollegen und Bekannten sind. In Facebook sind alle Gruppen, in denen ich mich gerne austausche. In Facebook sind alle großen Medienanstalten, Politiker, Stars und so weiter vertreten.

Nur weil jetzt eine bessere, also intuitivere, schönere, schnellere oder was auch immere Plattform rauskommen würde, wäre das für die allermeisten keinen Anlass das Produkt zu wechseln, da ja alle auf Facebook sind.
In diesem Zusammenhang benutze ich gerne das Wort „Netzwerkeffekt“. Die einzelne Person wird nie willig sein zu wechseln, da das „Netzwerk“ sonst verloren geht, bzw. nicht in dem Maße vorhanden bleibt.
Man denke nur an andere Plattformen wie z. B. Youtube. Würden Sie woanders als auf Youtube nach Videos schauen?

Also, investieren in soziale Medien?
Im Falle Facebook bin ich inzwischen zwiegespalten. Investiert bin ich in Facebook seit dem IPO 2012, habe aber seitdem – zuletzt sehr stark – meine Anteile reduziert.
In meinem Text überspitzt dargestellt bei Punkt 4 herrscht gerade bei Facebook das Problem, dass in der westlichen Welt die MAU’s (monthly active user) stagnieren oder eher noch Anteile an jüngeren Marktteilnehmern verliert.
Facebook ist bei jungen Menschen nicht mehr „in“. Instagram dagegen schon, das ja Teil von Facebook ist und hier einen Ausgleich schafft. ***

Die große Frage bleibt trotzdem für mich, ob Facebook es schafft
– seine Kernmarke einigermaßen aufrecht zu erhalten
– Instagram weiter „in“ zu halten
– in Dritte-Welt-Ländern weiter stark zu wachsen
– Kosten für Regulierungen und Datenpflege gering zu halten (Schlagwort Fake News und Datenskandale)
– einen gelungenen Start für die eigene Kryptowährung „Libra“ hinzubekommen

Wie bei jedem Invest ist es bei sozialen Medien nicht anders. Es bedarf einer gründlichen Überlegung, bevor Geld in die Hand genommen wird. Vorsicht ist hier geboten durch den schnellen technologischen Wandel. Die Unternehmen sind meist hoch bewertet und stark volatil.
Für mich ist fast immer die entscheidende Frage nach dem Monopol durch das „Netzwerk“. Hat das Unternehmen in seiner Sparte ein Monopol und wird es dies die nächsten 10 Jahre halten? Bzw. wird das Unternehmen in den nächsten Jahren einen Mitbewerber verdrängen und ein Monopol aufbauen.
Denken Sie bei der Entscheidung nach dem richtigen Unternehmen an den von mir vorgestellten „Netzwerkeffekt“.

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